Sonderausstellung „Versunkene Schiffe“

Waltrop (lwl). In einer neuen Ausstellung im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg geht es um „Versunkene Schiffe“. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert fünf Beispiele aus dem Feld der Unterwasser-Archäologie vom 9. Oktober 2014 bis 5. Juli 2015 in seinem Industriemuseum in Waltrop (Kreis Recklinghausen).

Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Ze</a srcset=Ein Beispiel spielt auf der Weser: Am 17. Juli 1769 war Wilhelm Krimmelberg mit zwei Lastkähnen auf der Weser von Rinteln nach Bremen unterwegs. Er hatte Brunnenringe und Fassadenteile aus Obernkirchner Sandstein geladen. In einer gefährlichen Kurve bei Rohrsen kenterte der Lastzug. Innerhalb weniger Minuten lag die gesamte Ladung auf dem Grund. Krimmelberg starb, die fünfköpfige Besatzung konnte sich retten. Mehr als 200 Jahre später wurde das Wrack bei Baggerarbeiten im Fluss entdeckt – ein Glücksfall für die Archäologen. Und jetzt auch für die Besucher des Schiffshebewerks Henrichenburg.Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Z</a srcset=

Die fünf Wracks spiegeln die ganze Bandbreite der Schifffahrt wider – vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg und von der Weser bis zum Südchinesischen Meer. Texte und Fotos geben Aufschluss über die Geschichte der Schiffe, ihre Bergung und Konservierung. Dazu werden rund 200 Originalteile in Szene gesetzt, darunter die älteste Schiffstoilette der Welt aus der „Bremer Kogge“ von 1380, Geschirr aus einer 1822 gesunkenen chinesischen Dschunke, ein Lederschuh und Teile der Bordapotheke des Vorpostenbootes „Prangenhof“, das im Ersten Weltkrieg vor der belgischen Küste strandete, sowie die Steinladung aus den Weserkähnen.

„Wracks sind Zeitkapseln“
Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Ze</a srcset=„Für die Archäologen sind Wracks Zeitkapseln, die wie in einer Momentaufnahme das Leben und Arbeiten in ihrer Epoche dokumentieren. Sie liegen in geheimnisvoller Tiefe unter dem Wasserspiegel und erinnern an das dramatische Schicksal ihrer Besatzungen. Das macht ihre Faszination aus. In der Ausstellung greifen wir das große Publikumsinteresse an diesem Thema auf und geben einen Einblick in das spannende Feld der Unterwasser-Archäologie“, erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am Donnerstag (9.10.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Waltrop.

Die Konservierung von Funden, die unter Wasser geborgen werden, verlangt besondere Vorsicht, denn beim Kontakt mit Sauerstoff drohen sie zu zerfallen. Stark gefährdet sind ausgerechnet zwei Materialien, die im Schiffbau besonders wichtig waren: Holz und Eisen. Mit komplizierten Verfahren bemühen sich Restauratoren, solche Funde zu retten. So wurden etwa die Weserlastkähne von 1999 bis 2004 im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo mit einer Kunstwachslösung getränkt, um sie zu konservieren.

Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Ze</a srcset=Als das am beste erforschte Wrack der deutschen Seefahrtsgeschichte gilt die „Bremer Kogge“. Fast 600 Jahre lang lag sie im Schlick der Weser. Dann stießen Bauarbeiter bei der Erweiterung des Hafens auf ein Schiffswrack. Über 2.000 Teile wurden im Laufe von vierzig Jahren geborgen, datiert, konserviert und zusammengesetzt. „Damit gilt die Bremer Kogge als Meilenstein der deutschen Unterwasser-Archäologie“, erklärte Museumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker.

Gefahr durch Schatzjäger
Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Zeit </a srcset=Die Faszination, die von Schiffswracks ausgeht, setzt sie aber auch einer großen Gefahr aus, denn dadurch geraten sie in das Visier von Schatzjägern. Als Beispiel dafür steht in der Ausstellung die „Tek Sing“, eine Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Zeit</a srcset=chinesische Dschunke. Sie ging 1822 mitsamt ihrer Keramik-Ladung unter und wurde von kommerziellen Ausgräbern aufgespürt. Ein Spielball der Wellen wurde auch der Fünfmaster „Preussen“, eines der schönsten Segelschiffe der Welt. 1910 kollidierte sie auf der Reise nach Chile im Ärmelkanal mit einem Dampfer, der ihre Geschwindigkeit unterschätzt hatte. Bei dem Versuch, das havarierte Schiff nach Dover zu schleppen, lief es auf Grund und konnte nicht mehr befreit werden. „Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die ‚Preussen‘ ausgerechnet durch einen Dampfer zerstört wurde. Ihr Untergang markiert das Ende der Ära der großen Segelschiffe“, sagte Linda Wilken, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ausstellungsprojekts. In den folgenden Jahrzehnten verfiel das Wrack allmählich. Teile der Ladung konnte die Reederei bergen. Andere Gegenstände, die in Chile hätten verkauft werden sollen, wie Heiligenbilder und Mundharmonikas blieben an Bord. Sie wurden in den folgenden Jahrzehnten von Tauchern aus dem Wrack geholt und sind in der Ausstellung zu sehen.

Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Ze</a srcset=Durch die Verbesserung der Tauchtechnik und durch moderne Geräte für das Orten und Erkunden von Fundstätten werden immer mehr Wracks zugänglich, die zuvor in großer Tiefe vor Ausplünderung geschützt waren. Auch durch Fischfang, Kiesabbau, Ölplattformen und Windparks werden Fundstätten gefährdet, die unter Wasser liegen. AußerhalbSonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Z</a srcset= der Zwölf-Meilen-Zone vor der Küste sind die Ozeane ein Niemandsland für Archäologen. Die Unesco bemüht sich aktuell, Regeln für den Umgang mit dem Kulturerbe unter Wasser durchzusetzen.

Möglich wurde die Ausstellung durch Leihgaben, insbesondere aus dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, dem Historischen Museum Bremerhaven, der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin und dem Weserrenaissance-Museum Schloss Brake.

Die Ausstellung ist Teil des Themenjahres „Unterwelten“ im LWL-Industriemuseum mit Ausstellungen und Veranstaltungen an allen acht Standorten des Landesmuseums für Industriekultur.

 

Eröffnung
Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Ze</a srcset=Die Eröffnung findet am Donnerstag (9.10.) um 19 Uhr im Hafengebäude am Oberwasser des Schiffshebewerks statt. Dieter Gebhard, Vorsitzender der Landschaftsversammlung, begrüßt die Gäste. Anschließend stellt der am Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven tätige Forschungstaucher und Prähistoriker Mike Belasus seine Arbeit an Schiffswracks in der Nord- und Ostsee vor, und die Projektmitarbeiterin Linda Wilken gibt eine Einführung in die Ausstellung.

Begleitprogramm
An jedem zweiten Sonntag finden um 14.30 Uhr öffentliche Führungen für Einzelbesucher durch die Ausstellung statt. Beim ersten Termin, am 12.10., erläutert Museumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker die Ausstellung. Die übrigen Termine bestreiten die Museumspädagogen des Schiffshebewerks: am 26.10., 9.11., 23.11. und 7.12.2014. Am Samstag, 18. Oktober, um 14.30 Uhr führt der gehörlose Ingenieur Rainer Miebach in Gebärdensprache durch die Schau. Die Teilnahme ist jeweils kostenlos; Besucher zahlen nur den normalen Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Gruppen können Führungen an frei zu vereinbarenden Terminen buchen.

Auch Vorträge gehören zum Begleitprogramm. Die nächsten Termine:

Di, 18.11.2014, 19 Uhr
Vortrag „Die Hansekogge“ – Dr. Ursula Warnke vom Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven berichtet über die schwierige Bergung und Konservierung der „Hansekogge“, einem Meilenstein der Unterwasserarchäologie. Eintritt frei

Di, 3.2.2015, 19 Uhr
Sonderausstellung anhand fünf ausgewählter Schiffswracks aus der Z</a srcset=Vortrag „Sensationsfund in der Weser. Die Bergung und Konservierung zweier Weserlastkähne im Kreis Nienburg“ – Dr. Vera Lüpkes vom Weserrenaissancemuseum Schloss Brake in Lemgo berichtet über die aufwändige Bergung und Konservierung der Weserlastkähne aus Rohrsen im Kreis Nienburg. Eintritt frei

Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog.

Versunkene Schiffe. Abenteuer Unterwasserarchäologie
9.10.2014 – 5.7.2015
LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Am Hebewerk 2, 45731 Waltrop
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr
www.lwl-industriemuseum.de

 

Quelle: PM LWL
Fotos: Andreas Krüskemper

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