Fotokunst spielt mit der Realität

Erste Ausstellung des Münsterland-Festivals ist eröffnet

LÜDINGHAUSEN/MÜNSTERLAND. Jedes einzelne Blatt der Bäume, jede Masche des altbackenen Pullovers, ja sogar fast jede Pore im Gesicht des Mädchens ist genau zu erkennen. Die Bilder des niederländischen Fotokünstlers Ruud van Empel zelebrieren die Schönheit und Reinheit von Kindern und der Natur gleichermaßen, zeigen aber auch, was diese Attribute gefährden kann. Seit Sonntag sind seine Werke auf der Burg Vischering in Lüdinghausen zu sehen – und geben einen ersten Eindruck von der Fülle des Kulturangebots des Münsterland Festivals part 8. Denn Ruud van Empels Ausstellung ist die Vor-Premiere für das Festival, das vom 18. September bis 24. Oktober bei mehr als 50 Veranstaltungen im gesamten Münsterland mit Musik, Kunst und Dialogen die Kulturszene der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs präsentiert. Veranstalter ist der Münsterland e.V. unter der künstlerischen Leitung von Christine Sörries (Kreis Coesfeld).
Ruud van Empel gilt als einer der bedeutendsten Fotokünstler der Niederlande. Seine detailreichen Bilder entstehen aus hunderten von Einzelaufnahmen, oft in einem monatelangen Prozess. „Models werden im Studio fotografiert, die Kleidung exakt drapiert und glatt gezogen auf Kleiderpuppen aufgenommen, dazu kommen unzählige Aufnahmen von Pflanzen, Tieren, Wolken und Wasser“, erklärte Dr. Britta Kusch-Arnhold. Die Leiterin des Stadtmuseums Borken führte bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag in die Thematik ein. Am Ende fügt Ruud van Empel alles neu zusammen, verändert Größenmaßstäbe und Kolorierungen. „Der Realismus wird bis an die Grenze ausgeschöpft. Es ist klar, was wir sehen. Zugleich wissen wir: Es kann nicht real sein.“ Genau das mache den Reiz seiner Bilder aus.
Sieben weitere Ausstellungen werden während des Münsterland Festivals einen Querschnitt durch die Kunstszene der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs zeigen. Einen guten Überblick vermittelt die Kunsttour, zu der der Münsterland e.V. in Kooperation mit dem RVM am Samstag, 19. September, einlädt. Zwischen 14 und 20 Uhr besuchen die Teilnehmer der Bustour die Ausstellungen von Seet van Hout und Jan De Maesschalck sowie die Eröffnung des Graphikprojekts im Stadtmuseum Borken. Start und Ziel der Tour ist in Coesfeld. Tickets zum Preis von 15 Euro inkl. Kaffee und Kuchen sind unter www.muensterlandfestival.com oder telefonisch über das Service-Center Münsterland 0800/9392919 erhältlich.
Die weiteren Ausstellungen des Münsterland Festivals:
Die Erinnerung, die sich in der Natur spiegelt, steht im Mittelpunkt der textilen Bilder, die die niederländische Künstlerin Seet van Hout vom 13. September bis 18. Oktober im Kunstverein Münsterland in Coesfeld ausstellt. Sie verbindet abstrakte Formen mit gestickten Pflanzenmotiven.

Gleich zehn Künstler aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg zeigen die Ähnlichkeiten und feinen Unterschiede ihrer Heimatländer vom 14. September bis 18. Oktober in der Ausstellung „Benelux“ in der Galerie bij de Boeken im niederländischen Ulft. Ebenfalls länderübergreifende Kunst bietet das Graphikprojekt. Die Druckgraphik-Künstler Diane Jodes (LUX), Thomas Amerlynck (BEL) und Patrick Mangnus (NL) stellen im Stadtmuseum Borken, KunstVerein Ahlen und Kloster Bentlage in Rheine eine Auswahl ihrer Werke aus, die unter anderem während ihres zweiwöchigen Workshops im April in Bentlage entstanden sind.
Die Gemälde des Belgiers Jan De Maesschalck werfen einen Blick auf aktuelle Themen und Nachrichten – oft mit einem Anklang von Melancholie und Ironie. Die Sujets seiner Bilder thematisieren Intimität und Einsamkeit. Die Stimmung, die sich daraus entwickelt, ist jedoch nie erschütternd oder gar bedrückend. Denn für Jan De Maesschalck führt Melancholie zu Schönheit. Seine Acrylbilder auf Papier, die vom 17. September bis 1. November in der Billerbecker Kolvenburg zu sehen sind, zeugen stattdessen von einer starken, aber undefinierbaren Sehnsucht. Der Belgier ist Maler und Zeichner. Seine Bilder entstehen voller technischer Präzision und mit Liebe zum Detail.
Jan De Vliegher setzt in seinen Werken auf gestischen Schwung und energischen Pinselduktus. Es sind Reminiszenzen an den Impressionismus, die den flüchtigen Moment festhalten: Menschen, die am Strand entlang laufen, oder Koi-Karpfen, die im Teich schwimmen. In der Galerie Hovestadt in Nottuln zeigt der Belgier außerdem vom 20. September bis 30. Oktober Bilder mit klassischen Sujets wie einem Porzellanteller oder einer Marmorbüste.
Die Ausstellungsdaten:
Ruud van Empel, Burg Vischering in Lüdinghausen, 23. August bis 25. Oktober. Öffnungszeiten: Di – So 10 – 13 Uhr / 13.30 – 17.30 Uhr Eintritt: 2,50 Euro.
Seet van Hout, Kunstverein Münsterland in Coesfeld, 13. September bis 18. Oktober. Öffnungszeiten: Di – Fr 14 – 18 Uhr, Sa 10 – 13 Uhr. Eintritt: frei. Eröffnung: Sonntag, 13. September, 17 Uhr.
Benelux, Galerie bij de Boeken (DRU Cultuurfabriek) in Ulft (NL), 14. September bis 18. Oktober. Öffnungszeiten: Mo – Fr 14 – 20 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr, So 13 – 16 Uhr. Eintritt: frei.
Jan De Maesschalck, Kolvenburg in Billerbeck, 17. September bis 1. November. Öffnungszeiten: Di – Sa 13 – 18 Uhr, So 10 – 13 Uhr/ 13.30 – 17.30 Uhr. Eintritt: Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 2 Euro, Schüler und Studenten 1,50 Euro. Eröffnung: Donnerstag, 17. September, 19 Uhr.
Jan De Vliegher, Galerie Hovestadt in Nottuln, 20. September bis 30. Oktober. Öffnungszeiten: Do – Fr 15 – 18 Uhr, Sa 13 – 17 Uhr, u. n. V. Eintritt: frei. Eröffnung: Sonntag, 20. September, 11 Uhr.
Graphikprojekt,
KunstVerein Ahlen, 11. September bis 18. Oktober. Öffnungszeiten: Do – Sa 15 – 18 Uhr, So 11 – 17 Uhr, u. n. V. Eintritt: frei. Eröffnung:Freitag, 11. September, 19 Uhr.
Stadtmuseum Borken, 19. September bis 15. November.Öffnungszeiten: Di – Sa 15 – 18 Uhr, So 10.30 – 17.30 Uhr, u. n. V. Eintritt: frei. Eröffnung: Samstag, 19. September, 18 Uhr.
Kloster Bentlage in Rheine, 20. September bis 25. Oktober.Öffnungszeiten: Di – Sa 14 – 18 Uhr, So 10 – 18 Uhr, u. n. V. Eintritt: frei. Eröffnung: Sonntag, 20. September, 11 Uhr.

Quelle + Foto: Münsterland e. V.

Bild: Christine Sörries (Künstlerische Leiterin des Münsterland Festivals), Dr. Britta Kusch-Arnhold (Leiterin des Stadtmuseums Borken) und Anneliese Haselkamp (stellvertretende Landrätin des Kreises Coesfeld) eröffneten die Ausstellung von Ruud van Empel.

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